Wenn in Ihrem MRT- oder Ultraschallbefund das Wort „Tendinose" steht, liegt die Sorge nahe, dass etwas gerissen oder ernsthaft beschädigt ist. Die beruhigende Wahrheit: Die Tendinose gehört zu den häufigsten Befunden des gesamten Bewegungsapparats. Sie bedeutet, dass eine Sehne allmählich verschlissen ist und nicht plötzlich gerissen, und die große Mehrheit der Betroffenen wird ohne Operation wieder beschwerdefrei. Dieser Beitrag erklärt, was der Begriff bedeutet, wie er sich von einer Tendinitis unterscheidet, warum er hartnäckig sein kann und was einer verschlissenen Sehne wirklich hilft.

Was bedeutet „Tendinose"?

Eine Sehne ist das feste, strangartige Band, das einen Muskel mit einem Knochen verbindet. Gesundes Sehnengewebe besteht aus straff parallel ausgerichteten Kollagenfasern, ähnlich einem Bündel gleichlaufender Seile. Tendinose beschreibt den Zustand, in dem diese Fasern über die Zeit ungeordnet und leicht verdickt sind, mit winzigen Verschleißbereichen dazwischen. Es ist ein Problem aus Abnutzung und Reparatur, keine Verletzung, die in einem einzigen Moment passiert ist.

Radiolog:innen erkennen sie je nach Verfahren auf bestimmte Weise:

  • Im MRT wirkt eine tendinotische Sehne oft verdickt und zeigt in ihrem Inneren ein helleres (höheres) Signal als eine normale, gleichmäßig dunkle Sehne.
  • Im Ultraschall (Sonografie) kann die Sehne verdickt erscheinen, mit dunkleren (echoärmeren) Arealen, in denen die Fasern ihr geordnetes Muster verloren haben, und manchmal mit kleinen neu eingesprossten Gefäßen.

Im Befund tauchen manchmal verwandte Begriffe auf: „Tendinopathie" ist der Oberbegriff für jede Sehnenstörung, während „Tendinitis" ausdrücklich auf eine Entzündung hinweist. Steht dort „Tendinose", ist die chronische, verschleißbedingte Form gemeint.

Tendinose oder Tendinitis: warum der Unterschied zählt

Umgangssprachlich heißt fast jede schmerzende Sehne „Sehnenentzündung", doch beides sind wirklich unterschiedliche Vorgänge. Eine Tendinitis ist eine aktive Entzündung, meist frisch und kurzlebig. Eine Tendinose ist die langsame strukturelle Veränderung, die daraus entstehen kann, wenn sich die Sehne schlecht an wiederholte Belastung angepasst und nie vollständig erholt hat. Die meisten Sehnenschmerzen, die schon Wochen oder Monate bestehen, sind in Wahrheit eine Tendinose, auch wenn sie zunächst als Tendinitis bezeichnet wurden.

Dieser Unterschied ist nicht nur Wortklauberei. Weil bei einer Tendinose kaum echte Entzündung vorliegt, helfen rein entzündungshemmende Maßnahmen, etwa lange Einnahme von Schmerzmitteln oder wiederholte Kortisonspritzen, weniger als erwartet und können die Sehne bei Überdosierung sogar schwächen. Zu verstehen, dass das Problem Verschleiß und nicht Schwellung ist, führt zu den Behandlungen, die die Sehne tatsächlich wieder kräftigen.

Ursachen und typische Orte

Eine Tendinose entsteht meist durch aufsummierte Überlastung: Von der Sehne wird immer wieder etwas mehr verlangt, als sie vorbereitet ist zu leisten, ohne genügend Zeit zur Anpassung. Häufige Faktoren sind:

  • Wiederkehrende Belastung — Laufen, Springen, Rückschlagsportarten, Heben oder ein Beruf mit ständigem Greifen oder Überkopfarbeit.
  • Ein plötzlicher Trainingssprung — Umfang, Gewicht oder Intensität schneller steigern, als die Sehne mithalten kann.
  • Alter — Sehnen verlieren über die Jahre etwas Elastizität und Durchblutung, weshalb eine Tendinose jenseits der 40 häufiger wird.
  • Weitere Gesundheitsfaktoren — Diabetes, bestimmte Medikamente, hohe Cholesterinwerte und hormonelle Veränderungen können die Sehnenqualität beeinflussen.

Am häufigsten zeigt sich eine Tendinose an der Achillessehne an der Rückseite des Knöchels, an der Patellasehne unterhalb der Kniescheibe („Springerknie"), an den Ellbogensehnen (Tennis- und Golferellbogen), an den Sehnen der Rotatorenmanschette der Schulter und an der Tibialis-posterior-Sehne am inneren Knöchel. Nennt Ihr Befund eine Sehne der Rotatorenmanschette, erklärt unser Beitrag zum Rotatorenmanschettenriss im MRT, wann der Verschleiß in einen echten Riss übergegangen ist.

Ist sie ernst, und welche Beschwerden macht sie?

Für die meisten Menschen ist eine Tendinose eher lästig als gefährlich. Typisch sind Schmerz und Steifheit rund um die Sehne, die zu Bewegungsbeginn am stärksten sind, sich beim Aufwärmen etwas bessern und danach wieder schmerzen. Die Stelle kann druckempfindlich sein und manchmal leicht verdickt wirken. Sie führt selten zu Rötung, deutlicher Schwellung oder Fieber.

Einige Situationen sollten Sie zeitnah ärztlich abklären lassen: ein plötzliches Schnappen oder ein scharfer Kraftverlust (kann auf einen Riss hindeuten), ein starker Dauerschmerz statt eines belastungsabhängigen Schmerzes oder ein Sehnenproblem zusammen mit Fieber oder einem heißen, geröteten Gelenk. Das sind die Ausnahmen. Im Alltagsfall ist die Tendinose der Befund, bei dem Ärzt:innen Entwarnung geben und Sie zur richtigen Rehabilitation lenken.

Wie sie festgestellt und nachverfolgt wird

Eine Tendinose lässt sich oft schon aus der Vorgeschichte und der körperlichen Untersuchung erkennen. Die Bildgebung dient dazu, den Befund zu bestätigen, sein Ausmaß einzuschätzen und einen Riss auszuschließen. Der Ultraschall ist schnell, strahlungsfrei und kann bei bewegter Sehne durchgeführt werden, was ihn für Sehnen beliebt macht; das MRT liefert ein umfassenderes Bild von umliegendem Knochen, Muskel und möglichen Teilrissen. Wichtig ist: Bildbefunde stimmen nicht immer mit den Beschwerden überein. Viele Menschen haben eine Tendinose im Bild und gar keine Schmerzen, und wie die Sehne aussieht, entscheidet für sich genommen nicht über die Behandlung. Deshalb zählt eine sorgfältige Beurteilung im Zusammenhang mit Ihren Beschwerden mehr als das Etikett allein.

Behandlung: was wirklich hilft

Der Grundpfeiler der Behandlung ist die schrittweise Belastung: Die Sehne wird vorsichtig und zunehmend gefordert, damit sie sich umbaut und wieder aufbaut. Das ist nicht dasselbe wie ein Durchbeißen trotz scharfer Schmerzen. In der Regel begleitet eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut ein Programm aus kontrolliertem Kräftigen, oft mit langsamen „exzentrischen" oder „schweren, langsamen Widerstandsübungen", die für Sehnen wie die Achilles- und Patellasehne gut belegt sind.

Neben der Belastung helfen weitere Maßnahmen:

  • Relative Schonung — die auslösende Aktivität reduzieren, insgesamt aber aktiv bleiben, statt sich vollständig zu schonen.
  • Belastungssteuerung — das Training schrittweise steigern und Technik oder Ausrüstung korrigieren, die die Sehne überlasten.
  • Zeit und Geduld — Sehnen bauen sich über Wochen bis Monate um, nicht über Tage.

Spritzen und Eingriffe (etwa Stoßwellentherapie oder, in ausgewählten Fällen, eine Operation) bleiben Tendinosen vorbehalten, die auf ein gutes Belastungsprogramm nicht angesprochen haben. Gerade Kortisonspritzen werden bei verschlissenen Sehnen zurückhaltend eingesetzt, weil sie das Gewebe schwächen können. Wie bei den Gelenkveränderungen in unserem Beitrag zur Arthrose und Gelenkspaltverschmälerung ist das Bild der Sehne nur ein Teil der Geschichte; wie sie auf Belastung reagiert, zählt mindestens ebenso.

Lebensstil, der die Heilung unterstützt

Kleine, beständige Gewohnheiten machen bei Sehnen einen echten Unterschied. Vor intensiver Belastung aufwärmen, den Trainingsumfang schrittweise statt in Sprüngen steigern, die umliegenden Muskeln kräftig halten und Erholungstage einplanen verringern die wiederholte Überlastung. Auch die allgemeine Gesundheit ist wichtig: gute Blutzuckerwerte, ausgewogene Ernährung und Rauchverzicht unterstützen die Reparaturfähigkeit der Sehne. Schlaf und Erholung werden unterschätzt, denn der Sehnenumbau geschieht größtenteils in Ruhe.

Warum eine Zweitmeinung helfen kann

Sehnenbefunde können verwirrend sein, und der Unterschied zwischen „Tendinose", „Teilriss" und „vollständigem Riss" verändert das weitere Vorgehen. Wenn eine Entscheidung über Spritzen oder eine Operation ansteht, kann eine fachkundige Zweitbeurteilung derselben Bilder klären, wie weit die Veränderung wirklich fortgeschritten ist und ob sich zunächst ein zurückhaltenderes Belastungsprogramm lohnt. Eine DocOrbit-Zweitmeinung liefert Ihnen eine unabhängige, fachlich passend zugeordnete Beurteilung, die Sie mit Ihrer eigenen Ärztin oder Ihrem eigenen Arzt besprechen können, sodass der Plan für Ihre Sehne auf einem klaren Bild beruht und nicht auf einer einzelnen Befundzeile. Falls Sie abwägen, ob Sie eine einholen sollten, zeigt unser Leitfaden dazu, wann eine zweite radiologische Meinung sinnvoll ist, die Situationen, in denen sie am meisten hilft.

Ist eine Tendinose dasselbe wie eine Tendinitis?

Nein, auch wenn die Begriffe oft gleichbedeutend verwendet werden. Eine Tendinitis ist eine aktive Entzündung der Sehne und meist kurzlebig. Eine Tendinose bedeutet, dass die Sehne allmählich verschlissen ist und ihre Kollagenfasern ungeordnet sind, mit wenig oder gar keiner echten Entzündung. Die meisten langwierigen Sehnenprobleme sind in Wahrheit Tendinosen, weshalb rein entzündungshemmende Ansätze oft enttäuschen.

Ist eine Tendinose gefährlich?

Für die große Mehrheit der Menschen nicht. Eine Tendinose ist eine häufige, gutartige Verschleißveränderung, kein Tumor und kein Riss. Sie kann hartnäckig sein und langsam abklingen, ist aber nicht gefährlich. Sie zeigt vor allem, dass die Sehne schwächer ist als früher und deshalb ein schrittweises Belastungsprogramm braucht, statt ignoriert oder komplett geschont zu werden.

Wie lange dauert es, bis eine Tendinose ausheilt?

Sehnen bauen sich langsam um, weil ihre Durchblutung eher gering ist. Mit einem konsequenten Belastungsprogramm bemerken viele nach etwa 6 bis 12 Wochen eine deutliche Besserung, eine vollständige Erholung kann drei Monate oder länger dauern. Der Verlauf ist selten geradlinig, und Geduld mit dem schrittweisen Kräftigen wirkt in der Regel besser als wiederholte Zyklen aus Schonung und erneuter Reizung.

Kann aus einer Tendinose ein Riss werden?

Eine verschlissene Sehne ist schwächer als eine gesunde, daher neigt eine tendinotisch veränderte Sehne bei plötzlicher Belastung etwas eher zu einem teilweisen oder vollständigen Riss. Genau deshalb sollte der Befund angegangen und nicht abgetan werden. Sinnvolles, schrittweises Kräftigen macht die Sehne belastbarer, während wiederholte starke Überlastung einer bereits verschlissenen Sehne das Risiko erhöht.

Sollte ich mich bei einer Tendinose vollständig schonen?

Meist nicht. Vollständige Schonung beruhigt den Schmerz kurzfristig, lässt die Sehne aber schwächer werden, sodass die Beschwerden bei Wiederaufnahme der Aktivität oft zurückkehren. Der heutige Ansatz bevorzugt eine relative Schonung, bei der man die scharfen Belastungsspitzen meidet, die Sehne aber durch kontrolliertes, schrittweises Training weiter arbeiten lässt. Ihre Physiotherapeutin oder Ihr Arzt kann festlegen, wie viel Belastung für Ihre Sehne und ihr Stadium richtig ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tendinose bedeutet, dass eine Sehne allmählich verschlissen ist und ihre Fasern ungeordnet sind — es ist ein Verschleiß, keine Entzündung und kein Riss.
  • Sie ist sehr häufig, meist gutartig, und die große Mehrheit der Betroffenen wird ohne Operation wieder beschwerdefrei.
  • Schrittweises, angeleitetes Kräftigen statt vollständiger Schonung ist die wirksame Behandlung; Kortison und komplette Schonung enttäuschen oft.
  • Die Bildgebung bestätigt den Befund, doch das Aussehen der Sehne stimmt nicht immer mit den Schmerzen überein und entscheidet nicht allein über den Plan.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine medizinische Beratung. Besprechen Sie Ihre Bildgebungsergebnisse und alle weiteren Schritte stets mit einer qualifizierten Ärztin oder einem qualifizierten Arzt.