Ihr Hund war zur Impfung oder zum Krallenschneiden da, die Tierärztin hat ein paar Sekunden länger abgehört als sonst und dann von einem Herzgeräusch gesprochen. Auf dem Heimweg war Ihr Hund derselbe wie vorher, und daran lohnt es sich festzuhalten: Ein Geräusch ist ein Klang, keine Diagnose, und viele Hunde tragen eines jahrelang mit sich und leben dabei völlig normal. Es bedeutet vor allem eines: Jetzt geht es darum, das Herz anzusehen und nicht nur abzuhören.

Was ein Herzgeräusch ist

In einem gesunden Herzen fließt Blut fast lautlos. Wird die Strömung verwirbelt, meist weil eine Klappe undicht wird, entsteht zwischen den normalen Herztönen ein hörbares Rauschen. Dieses Rauschen ist das Geräusch.

Tierärztinnen und Tierärzte teilen Geräusche nach ihrer Lautstärke in die Grade 1 bis 6 ein. Grad 1 ist selbst in einem stillen Raum kaum wahrnehmbar, Grad 5 und 6 sind so laut, dass man sie als Schwirren an der Brustwand fühlen kann. Die Lautstärke ist allerdings nur ein grober Hinweis. Ein Hund mit einem Geräusch vom Grad 5 kann ein völlig normal großes Herz haben, und umgekehrt kann ein Hund mit deutlicher Erkrankung ein erstaunlich leises Geräusch zeigen, gerade wenn das Herz bereits kämpft.

Warum kleine Rassen so oft betroffen sind

Bei älteren kleinen Hunden steckt fast immer eine myxomatöse Mitralklappenerkrankung dahinter, auch Mitralklappenendokardiose oder degenerative Klappenerkrankung genannt. Die Mitralklappe liegt zwischen den beiden linken Herzkammern. Über Jahre verdicken ihre Segel, werden knotig, schließen nicht mehr sauber, und mit jedem Schlag fließt Blut zurück.

Der Cavalier King Charles Spaniel ist das klassische Beispiel, mit einer so ausgeprägten genetischen Veranlagung, dass die Erkrankung Jahre früher auftreten kann als bei anderen Rassen. Auch Dackel, Chihuahuas, Pudel, Terrier und die meisten kleinen Mischlinge sind überdurchschnittlich betroffen. Die Erkrankung schreitet langsam voran: Zwischen dem ersten leisen Geräusch und echten Problemen liegen oft Jahre.

Nicht jedes Geräusch ist eine Klappenerkrankung, und deshalb lohnt sich die Abklärung:

  • Harmlose Welpengeräusche, die sich mit dem Wachstum verlieren, meist bis zum vierten bis sechsten Lebensmonat.
  • Angeborene Herzfehler bei jungen Hunden, etwa ein offener Gefäßgang oder eine Ausflussverengung, die sich ganz anders verhalten.
  • Blutarmut, Fieber oder starke Abmagerung, die den Blutfluss verwirbeln, ohne dass am Herzen strukturell etwas fehlt.
  • Dilatative Kardiomyopathie bei großen Rassen, bei der nicht die Klappe, sondern der Herzmuskel das Problem ist.

Was die Bildgebung beiträgt

Das Röntgenbild beantwortet die praktischen Fragen: Wie groß ist das Herz, hat sich der linke Vorhof vergrößert, sind die Lungengefäße gestaut, steht Flüssigkeit in der Lunge. Häufig wird der vertebrale Herzscore bestimmt, der die Herzgröße mit der Wirbelsäule desselben Hundes vergleicht, sodass Rasseunterschiede das Ergebnis nicht verzerren. Bei einem kurzatmigen Hund ist es außerdem der schnellste Weg, Herz und Atemwege auseinanderzuhalten.

Die Echokardiografie zeigt die Klappe in Bewegung, misst die Herzkammern direkt und beurteilt, wie viel Blut zurückfließt. Sie ist der genaueste Weg zur Diagnose und, noch wichtiger, zur Entscheidung über den Behandlungsbeginn. Dieselbe Technik sichert die ganz andere Herzerkrankung der Katze, die wir im Beitrag zur HCM bei der Katze im Herzultraschall beschrieben haben.

Die Stadien, mit denen Ihre Praxis arbeitet

Kardiologinnen und Kardiologen teilen die Klappenerkrankung in Stadien ein, und zu wissen, in welchem Ihr Hund steht, erklärt fast jede Empfehlung, die Sie hören werden.

  • Stadium B1. Ein Geräusch ist da, das Herz ist noch normal groß. Keine Medikamente, Kontrolle der Bildgebung in etwa sechs bis zwölf Monaten.
  • Stadium B2. Herz und linker Vorhof sind messbar vergrößert, Ihrem Hund geht es aber weiterhin gut. Dies ist das entscheidende Stadium.
  • Stadium C. Eine Herzinsuffizienz ist aufgetreten, es hat sich Flüssigkeit in der Lunge gestaut. Behandelbar und oft lange gut kontrollierbar.
  • Stadium D. Eine Herzinsuffizienz, die auf Standarddosierungen nicht mehr anspricht und einen intensiveren Plan braucht.

Das Stadium B2 bekommt so viel Aufmerksamkeit wegen eines Ergebnisses aus einer großen internationalen Studie: Wird Pimobendan begonnen, sobald das Herz vergrößert ist, aber noch bevor Symptome auftreten, verzögert sich das Auftreten der Herzinsuffizienz im Mittel um etwa 15 Monate. Das ist ein beachtlicher Abschnitt guter Lebenszeit, und er lässt sich nur gewinnen, wenn die Vergrößerung erkannt wird, während der Hund noch völlig munter wirkt. Genau deshalb wird Bildgebung bei einem Hund vorgeschlagen, dem aus Ihrer Sicht nichts fehlt.

Worauf Sie zu Hause achten

Das Nützlichste, was Sie tun können, ist die Schlafatemfrequenz zu zählen. Warten Sie, bis Ihr Hund wirklich schläft, beobachten Sie 30 Sekunden lang das Heben und Senken des Brustkorbs und verdoppeln Sie die Zahl. Die meisten gesunden Hunde liegen unter 30 Atemzügen pro Minute, viele eher bei 15 bis 20. Notieren Sie den Wert ein- bis zweimal pro Woche, damit Sie den Normalwert Ihres eigenen Hundes kennen.

Rufen Sie zeitnah in Ihrer Praxis an, wenn Sie Folgendes bemerken:

  • Eine Schlafatemfrequenz, die dauerhaft über 30 liegt oder deutlich über den gewohnten Wert steigt
  • Schnellere oder angestrengte Atmung in Ruhe, oder eine Bauchdecke, die bei jedem Atemzug mitarbeitet
  • Unruhe in der Nacht oder die Weigerung, sich hinzulegen
  • Schnelle Erschöpfung auf vertrauten Runden, Stehenbleiben oder Absitzen
  • Ohnmacht oder Zusammenbrechen, immer ein Grund für einen Anruf am selben Tag
  • Ein neuer, feuchter Husten oder Husten zusammen mit einem der obigen Punkte

Beim letzten Punkt lohnt sich Vorsicht. Die kleinen Rassen mit Klappenerkrankung neigen zugleich zu Trachealkollaps und chronischer Bronchitis, die einen trockenen, hupenden Husten ohne Herzbeteiligung verursachen. Hunde in Herzinsuffizienz atmen eher schnell, als dass sie dramatisch husten. Bei Katzen liegt der Schwerpunkt noch stärker auf den Atemwegen, wie unser Beitrag zu felinem Asthma im Röntgenbild zeigt.

Behandlung, einfach erklärt

Im Stadium B1 heißt Behandlung: abwarten und kontrollieren. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Medikamente vor der Vergrößerung des Herzens nützen, und sie setzen einen gesunden Hund ohne Gewinn einer Therapie aus.

Im Stadium B2 ist Pimobendan das Mittel der Wahl. Es unterstützt die Pumpleistung und entlastet das Herz. Je nach Einzelfall ergänzen manche Kardiologinnen und Kardiologen weitere Medikamente.

Im Stadium C kommt Furosemid oder Torasemid dazu, um die Flüssigkeit aus der Lunge zu bringen, meist zusammen mit Pimobendan und einem ACE-Hemmer, häufig auch mit Spironolacton. Den meisten Hunden geht es innerhalb von ein bis zwei Tagen nach der ersten Gabe deutlich besser. Eine mäßig salzreduzierte Fütterung wird in der Regel empfohlen, und jeder Hund unter entwässernden Medikamenten braucht regelmäßige Kontrollen von Nierenwerten und Elektrolyten.

Eine chirurgische Rekonstruktion der Mitralklappe gibt es inzwischen an wenigen spezialisierten Zentren weltweit, mit guten Ergebnissen bei ausgewählten Hunden. Sie ist jedoch teuer und kaum verfügbar. Für die allermeisten Hunde bleibt die medikamentöse Behandlung der Weg.

Warum eine zweite Befundung helfen kann

Vieles hängt hier an Messungen aus Bildern: Herzgröße im Röntgenbild, Kammermaße im Herzultraschall, die Frage, ob ein diffuses Lungenmuster Flüssigkeit oder eine alte Atemwegsveränderung ist. Solche Einschätzungen können sich zwischen Befundenden unterscheiden, und eine Grenzwertentscheidung bestimmt, ob Ihr Hund heute oder erst in einem Jahr Medikamente bekommt. Liegt der Befund in dieser Grauzone, ist eine unabhängige radiologische Zweitbefundung ein vernünftiger Schritt. Über DocOrbit können Sie oder Ihre Praxis die Bilder hochladen und eine fachärztliche Zweitmeinung erhalten, die Sie in das Gespräch mit Ihrem eigenen Tierarztteam mitnehmen.

Ist ein Herzgeräusch beim Hund immer ernst?

Nein. Viele Hunde leben jahrelang mit einem leisen Geräusch und entwickeln nie eine Herzinsuffizienz, und nicht jedes Geräusch stammt von einer Klappenerkrankung. Welpen können harmlose Geräusche haben, die sich auswachsen, und auch Blutarmut oder Fieber erzeugen vorübergehend eines. Entscheidend ist nicht der Klang, sondern der Zustand des Herzens dahinter, weshalb Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt Bildgebung statt wiederholtem Abhören vorschlägt.

Wie lange lebt ein Hund mit einem Herzgeräusch?

Häufig jahrelang. Viele kleine Hunde bekommen die Diagnose im mittleren Alter und bleiben lange völlig unauffällig, manche erreichen nie das Stadium der Herzinsuffizienz. Ist eine Herzinsuffizienz eingetreten, bewegt sich die Prognose mit guter Behandlung im Bereich von Monaten bis zu einigen Jahren, doch bis dorthin kann sehr viel Zeit vergehen. Regelmäßige Kontrollen sind das, was diese Zeit zu Ihren Gunsten verschiebt.

Muss ein Hund mit Herzgeräusch sofort Medikamente bekommen?

Nicht immer, und genau hier entscheidet die Bildgebung. Ist das Herz noch normal groß, wird keine Medikation empfohlen, sondern kontrolliert. Zeigt die Untersuchung eine beginnende Vergrößerung von Herz und linkem Vorhof, verzögert ein Start mit Pimobendan zu diesem Zeitpunkt das Auftreten einer Herzinsuffizienz im Mittel um rund 15 Monate. Ein zu früher Beginn bringt nachweislich nichts, ein zu später verschenkt dieses Zeitfenster.

Bedeutet Husten beim Hund immer Herzinsuffizienz?

Nein, und das führt viele Halterinnen und Halter in die Irre. Gerade die kleinen Rassen mit Mitralklappenerkrankung neigen zugleich zu Trachealkollaps und chronischer Bronchitis, die einen trockenen, hupenden Husten verursachen, der nichts mit dem Herzen zu tun hat. Eine Herzinsuffizienz zeigt sich beim Hund eher durch schnelle oder angestrengte Atmung als durch Husten allein. Ein Röntgenbild des Brustkorbs trennt beides meist zuverlässig.

Was ist eine normale Schlafatemfrequenz beim Hund?

Zählen Sie die Atemzüge, während Ihr Hund wirklich schläft: 30 Sekunden lang das Heben und Senken des Brustkorbs beobachten und verdoppeln. Die meisten gesunden Hunde liegen deutlich unter 30 Atemzügen pro Minute, viele bei 15 bis 20. Steigt der Wert bei einem Hund mit bekannter Klappenerkrankung dauerhaft über 30 oder klettert er über einige Tage merklich, sollte er zeitnah untersucht werden. Es ist die wertvollste Beobachtung, die zu Hause möglich ist.

Reicht ein Röntgenbild oder braucht mein Hund ein Herzultraschall?

Beide beantworten unterschiedliche Fragen. Das Röntgenbild zeigt Größe und Form des Herzens und ob sich Flüssigkeit in der Lunge staut, was darüber entscheidet, ob ein kurzatmiger Hund in Herzinsuffizienz ist. Die Echokardiografie zeigt die Klappe selbst und misst die Herzkammern direkt; sie ist der genaueste Weg, die Mitralklappenerkrankung zu bestätigen und den Behandlungsbeginn festzulegen. Viele Hunde bekommen beides, meist zuerst das Röntgenbild.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Herzgeräusch entsteht durch verwirbelten Blutfluss, und seine Lautstärke sagt wenig über den Schweregrad der Erkrankung aus.
  • Bei älteren kleinen Rassen ist die degenerative Mitralklappenerkrankung die übliche Ursache, und sie schreitet meist über Jahre langsam voran.
  • Röntgen und Echokardiografie beantworten unterschiedliche Fragen; gemeinsam legen sie das Stadium fest.
  • Medikamente beginnen, wenn sich das Herz vergrößert, nicht wenn das Geräusch auftritt, und dieser Zeitpunkt bringt echte Zeit.
  • Eine Schlafatemfrequenz dauerhaft über 30 ist das Warnzeichen, bei dem Sie anrufen sollten.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine tierärztliche Beratung. Besprechen Sie die Bildgebungsergebnisse Ihres Tieres und alle weiteren Schritte stets mit einer qualifizierten Tierärztin oder einem qualifizierten Tierarzt.