Wenn in Ihrem Ultraschall- oder MRT-Befund von einem „Endometriom“ oder der anschaulicheren Bezeichnung „Schokoladenzyste“ die Rede ist, ist Unbehagen verständlich, besonders wenn die Schmerzen, die Sie zur Untersuchung geführt haben, schon länger zu Ihrem Alltag gehören. Der beruhigende Ausgangspunkt: Ein Endometriom ist eine gutartige Zyste, kein Krebs, und einer der häufigsten Eierstockbefunde bei Frauen im gebärfähigen Alter. Dieser Beitrag erklärt, was der Begriff bedeutet, warum die Zyste entsteht, ob sie gefährlich ist, wie sie die Fruchtbarkeit beeinflusst und welche Möglichkeiten Sie haben.

Was ein Endometriom eigentlich ist

Ein Endometriom ist eine Zyste am Eierstock aus Gewebe, das sich wie die Gebärmutterschleimhaut verhält. Bei einer Endometriose wächst dieses schleimhautartige Gewebe an Stellen, an die es nicht gehört; setzt es sich an einem Eierstock fest, reagiert es genau wie die Gebärmutter auf Ihre monatlichen Hormone und blutet mit jedem Zyklus ein wenig. Dieses alte Blut kann nirgends abfließen, also sammelt es sich über Monate und Jahre in einer Tasche und verdickt sich.

Mit der Zeit wird das eingeschlossene Blut dunkel und zähflüssig, in der Farbe geschmolzener Schokolade, daher der Spitzname. Eine „Schokoladenzyste“ ist also keine seltsame oder exotische Diagnose, sondern schlicht das sichtbare Ergebnis einer Endometriose am Eierstock. Endometriose ist häufig und betrifft etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter, und das Endometriom ist eine ihrer erkennbarsten Formen.

Wie es in der Bildgebung aussieht

Radiolog:innen erkennen Endometriome, weil sie meist auf eine bestimmte Weise aussehen, und dieses klassische Bild ist an sich schon beruhigend:

  • Im Ultraschall: eine runde Zyste, gefüllt mit gleichmäßigen, milchig-schwachen Binnenechos, oft als „Milchglas“-Aspekt beschrieben. Das alte Blut im Inneren erzeugt diese weiche, gleichmäßige Textur, ganz anders als die klare schwarze Flüssigkeit einer einfachen Zyste
  • Keine soliden Knoten und keine Durchblutung im Inneren: wenn die Radiologin oder der Radiologe den Farbdoppler einsetzt und im Inhalt keine Gefäße sieht, ist das ein stark gutartiges Zeichen
  • Im MRT: die Zyste ist in der T1-Sequenz hell, weil Blutabbauprodukte dort leuchten, und zeigt in T2 oft eine „Beschattung“ (eine Verdunkelung). Diese Kombination aus T1-hell und T2-Beschattung ist recht typisch für ein Endometriom, weshalb das MRT ergänzt wird, wenn der Ultraschall unklar bleibt
  • Oft nicht nur eines: Endometriome können mehrfach auftreten und an beiden Eierstöcken sitzen

Radiolog:innen beschreiben Eierstockzysten zunehmend mit strukturierten Systemen wie O-RADS und IOTA, die Befunde nach ihrer Gutartigkeitswahrscheinlichkeit einordnen. Ein typisches Endometriom fällt klar in die Niedrigrisikogruppe. Liest sich Ihr Befund wie die obige Beschreibung, leistet die Bildgebung selbst schon ihre beruhigende Aufgabe.

Ist es gefährlich?

Ein Endometriom ist gutartig und für sich genommen nicht gefährlich. Bedeutsam machen es zwei Dinge: die Beschwerden, die es verursachen kann, und die wenigen Merkmale, die gelegentlich einen genaueren Blick erfordern.

Dass aus einem Endometriom Krebs entsteht, ist selten. Es ist vor allem bei älteren oder Frauen nach den Wechseljahren, bei größeren Zysten oder dann ein Thema, wenn eine Aufnahme einen soliden, durchbluteten Knoten zeigt, der in der Zyste wächst. Nicht das Vorhandensein eines Endometrioms, sondern diese besonderen Veränderungen führen zu weiterer Abklärung. Bei den meisten Frauen im gebärfähigen Alter mit einer klassisch aussehenden Schokoladenzyste ist das Bild eindeutig gutartig.

Zwei Situationen verdienen rasche Aufmerksamkeit: plötzliche, starke Unterleibsschmerzen, die auf eine geplatzte Zyste oder eine Drehung des Eierstocks (Torsion) hindeuten können, und jeder neue solide oder rasch wachsende Anteil in der Verlaufskontrolle. Beides ist nicht häufig, doch beides sollte man kennen.

Die Beschwerden hinter dem Befund

Viele Endometriome werden zufällig auf einer aus anderem Grund angefertigten Aufnahme entdeckt und verursachen gar nichts. Wenn sie Beschwerden machen, gehören diese meist zur zugrunde liegenden Endometriose und nicht zur Zyste selbst:

  • Schmerzhafte Regelblutungen, stärker als erwartet
  • Anhaltende Unterleibsschmerzen, manchmal unabhängig vom Zyklus
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schwierigkeiten, schwanger zu werden
  • Darm- oder Blasenbeschwerden, besonders rund um die Regel

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, bilden Sie sich nichts ein; der Befund auf Ihrer Aufnahme verbindet vielleicht endlich jahrelang erlebte Beschwerden mit einem Namen. Manche Eierstockbefunde sind fast immer stumm; eine Eierstockzyste vom einfachen Typ macht meist keine Beschwerden, während ein Endometriom öfter Teil eines größeren, schmerzhaften Bildes ist.

Verlauf und Diagnose

Bei klassischem Erscheinungsbild stellt die Bildgebung meist eine sichere Diagnose. Besteht Zweifel, können die nächsten Schritte ein Wiederholungsultraschall nach einigen Zyklen sein (eine einfache funktionelle Zyste bildet sich zurück, ein Endometriom bleibt bestehen), ein MRT zur Problemklärung oder die Überweisung zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt. Der Bluttest CA-125 wird manchmal bestimmt, kann bei Endometriose aber aus gutartigen Gründen leicht erhöht sein und wird deshalb mit Bedacht statt für sich allein bewertet.

Die endgültige Diagnose einer Endometriose wird klassisch bei einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) gestellt, einem Schlüsselloch-Eingriff, bei dem die Herde direkt sichtbar werden; viele Frauen werden jedoch anhand von Bildgebung und Beschwerden diagnostiziert und behandelt, ohne dass eine Operation nötig ist.

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt nicht die eine richtige Antwort; der Plan hängt von Ihren Schmerzen, Ihrem Kinderwunsch, der Größe der Zyste und ihrer Entwicklung über die Zeit ab. Grob gibt es diese Möglichkeiten:

  • Abwartendes Beobachten: bei einem kleinen, stabilen, kaum beschwerdehaften Endometriom ist eine Kontrolle mit regelmäßigen Aufnahmen völlig vernünftig
  • Hormontherapie: die Kombinationspille, Gestagene oder andere Hormontherapien stellen den monatlichen Zyklus ruhig, was Schmerzen lindern und die Zyste bremsen kann. Ein bestehendes Endometriom lassen sie meist nicht verschwinden, können es aber in Schach halten
  • Operation (Zystenentfernung): das Entfernen der Zystenwand, meist per Bauchspiegelung, kommt bei starken Schmerzen, einer großen oder wachsenden Zyste, unklarer Diagnose oder vor manchen Kinderwunschbehandlungen infrage

Ein Abwägen verdient besondere Erwähnung. Eine Operation am Eierstock zur Entfernung eines Endometrioms kann die Eizellreserve dieses Eierstocks verringern; ist die künftige Fruchtbarkeit wichtig, wird die Entscheidung zur Operation daher sorgfältig abgewogen, idealerweise unter Einbeziehung einer Kinderwunschspezialistin oder eines Spezialisten. Genau das ist eine Entscheidung, bei der mehr als eine fachkundige Meinung wertvoll ist.

Endometriome und Fruchtbarkeit

Das ist die Frage, die viele Frauen am meisten umtreibt, und die ehrliche Antwort ist vielschichtig. Endometriose ist mit einer verminderten Fruchtbarkeit verbunden, und ein Endometriom ist ein Zeichen dafür, dass eine Endometriose vorliegt. Dennoch werden viele Frauen mit Endometriomen schwanger, manche ganz ohne Hilfe, und die Größe der Zyste sagt nicht zuverlässig voraus, wer schwanger wird und wer nicht. Wenn Sie schwanger werden möchten, ist der Befund ein Anlass für ein informiertes Gespräch, kein Urteil. Eine Kinderwunschspezialistin oder ein Spezialist kann den Nutzen einer Zystenentfernung gegen das Risiko einer verringerten Eizellreserve abwägen und den Plan auf Sie zuschneiden.

Warum eine Zweitmeinung helfen kann

Die gesamte Behandlung eines Endometrioms hängt an der Bildgebung: ob die Zyste die klassischen gutartigen Merkmale hat, ob es einen beunruhigenden soliden Anteil gibt und wie sie sich über die Zeit verändert. Eine sichere, fachkundige Beurteilung kann Ihnen eine unnötige Operation ersparen oder dafür sorgen, dass ein feines, bedeutsames Merkmal nicht übersehen wird. DocOrbit bietet eine fachkundige Zweitmeinung zu Ihrer Aufnahme, die Sie direkt zu Ihrer eigenen Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt mitnehmen können, sodass Sie beide vom klarstmöglichen Bild ausgehen. Sie ersetzt nicht Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren Arzt; sie fügt in einem Moment, in dem die Entscheidungen, besonders rund um die Fruchtbarkeit, wirklich zählen, ein weiteres fachkundiges Augenpaar hinzu. Zu einem verwandten Befund lesen Sie unseren Beitrag über Uterusmyome.

Ist ein Endometriom Krebs?

Nein. Ein Endometriom ist eine gutartige Zyste, kein Krebs. Es entsteht, wenn Gewebe wie die Gebärmutterschleimhaut am Eierstock wächst und mit jedem Zyklus etwas blutet, sodass sich altes Blut in einer Tasche sammelt. Dass aus einem Endometriom Krebs entsteht, ist selten und vor allem bei älteren oder Frauen nach den Wechseljahren ein Thema, oder wenn eine Aufnahme einen soliden, durchbluteten Bereich in der Zyste zeigt. Nicht das Endometriom selbst, sondern diese besonderen Befunde führen zu einem genaueren Blick.

Kann ein Endometriom meine Fruchtbarkeit beeinträchtigen?

Das kann es, doch viele Frauen mit einem Endometriom werden dennoch schwanger, manche ganz ohne Hilfe. Endometriose und Endometriome sind mit einer verminderten Fruchtbarkeit verbunden, dennoch sagt die Größe der Zyste nicht zuverlässig voraus, ob Sie schwanger werden können. Eine Operation zur Entfernung der Zyste kann die Zahl der Eizellen in diesem Eierstock selbst verringern, daher wird die Entscheidung bei bestehendem Kinderwunsch sorgfältig getroffen, oft mit einer Kinderwunschspezialistin oder einem Spezialisten.

Muss jedes Endometriom operiert werden?

Nein. Viele Endometriome werden einfach beobachtet, besonders wenn sie klein sind, nicht wachsen und wenig Schmerzen verursachen. Eine Operation kommt infrage, wenn die Schmerzen stark sind, die Zyste groß ist oder wächst, die Diagnose unklar ist oder eine Kinderwunschbehandlung geplant ist. Da das Entfernen einer Eierstockzyste die Eizellreserve verringern kann, ist die Wahl zwischen Beobachten, Hormontherapie und Operation individuell.

Kann ein Endometriom von selbst verschwinden?

Endometriome verschwinden selten vollständig von selbst, sie können aber schrumpfen, besonders nach den Wechseljahren oder unter einer Hormontherapie, die den monatlichen Zyklus ruhigstellt. Anders als eine einfache funktionelle Eierstockzyste, die sich oft innerhalb weniger Zyklen zurückbildet, bleibt ein Endometriom meist bestehen und wird über die Zeit kontrolliert. Auch deshalb wird häufig eine Verlaufsaufnahme angesetzt.

Welche Warnzeichen sprechen dafür, dass eine Eierstockzyste kein einfaches Endometriom ist?

Die beruhigenden Merkmale eines Endometrioms sind homogene, schwache Binnenechos im Ultraschall ohne solide Anteile und ohne Durchblutung im Inneren. Aufmerksamkeit erfordern dagegen ein solider, durchbluteter Knoten in der Zyste, rasches Wachstum, neue Merkmale nach den Wechseljahren oder ein deutlich steigender CA-125-Wert mit Flüssigkeit im Bauch. Jedes davon ändert den Plan und führt meist zu einer fachärztlichen Abklärung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Endometriom, oder eine Schokoladenzyste, ist eine gutartige Eierstockzyste als Folge einer Endometriose, kein Krebs
  • Der klassische Milchglas-Aspekt im Ultraschall und das T1-helle, T2-beschattete Muster im MRT sind beruhigend typisch
  • Die bedeutsamen Beschwerden kommen meist von der zugrunde liegenden Endometriose: schmerzhafte Regel, Unterleibsschmerzen und manchmal eine verminderte Fruchtbarkeit
  • Die Behandlung reicht von Beobachten über Hormontherapie bis zur Operation, und das Fruchtbarkeitsabwägen der Operation macht die Wahl individuell
  • Ein solider, durchbluteter Knoten, rasches Wachstum oder neue Merkmale nach den Wechseljahren sind die Befunde, die einen genaueren Blick erfordern

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine medizinische Beratung. Besprechen Sie Ihre Bildgebungsergebnisse und alle weiteren Schritte stets mit einer qualifizierten Ärztin oder einem qualifizierten Arzt.