Die Worte "tiefe Venenthrombose", "TVT" oder "venöse Thrombose" in einem Ultraschallbefund zu lesen, oder zu hören, dass Sie ein Blutgerinnsel im Bein haben, ist verständlicherweise beängstigend. Die ausgewogene Wahrheit lautet: Eine TVT ist häufig und in der Regel gut behandelbar, und wenn sie früh erkannt und zeitnah behandelt wird, erholt sich die große Mehrheit der Betroffenen gut. Zugleich ist es ein Befund, den man nicht ignorieren sollte, denn ein Gerinnsel in einer tiefen Vene verdient angemessene ärztliche Aufmerksamkeit. Dieser Artikel erklärt, was eine TVT eigentlich ist, warum Gerinnsel entstehen, auf welche Symptome Sie achten sollten, wann es zum Notfall wird und wie sie behandelt wird.

Was ist eine tiefe Venenthrombose?

Eine tiefe Venenthrombose ist ein Blutgerinnsel, das sich in einer der tiefen Venen bildet, den größeren Gefäßen, die tief im Körperinneren verlaufen, meist in der Wade oder im Oberschenkel. Seltener entsteht ein Gerinnsel in den Venen des Beckens oder, in Ausnahmefällen, in einem Arm.

Im Bein gibt es zwei Venensysteme: oberflächliche Venen direkt unter der Haut und tiefe Venen, die in der Muskulatur eingebettet sind. Ein Gerinnsel in einer oberflächlichen Vene (eine oberflächliche Thrombophlebitis) ist meist weniger gefährlich. Ein Gerinnsel in einer tiefen Vene ist das, was Ärztinnen und Ärzte als TVT bezeichnen, und es ist bedeutsamer, wegen seiner Lage und wegen des Ortes, an den es wandern kann.

Eine TVT ist ein Problem der Venen, der Gefäße, die das Blut zum Herzen zurückführen. Das unterscheidet sie von arteriellen Erkrankungen wie der atherosklerotischen Plaque, die sich in den Arterien ablagert, welche das Blut vom Herzen wegführen.

In der Bildgebung wird eine TVT meist mit einem Doppler- oder Kompressionsultraschall des Beins bestätigt. Die untersuchende Person drückt mit dem Schallkopf sanft auf die Vene: Eine gesunde Vene lässt sich flach zusammendrücken, eine mit einem Gerinnsel gefüllte Vene nicht. Zusätzlich wird der Blutfluss durch die Vene beurteilt, der vermindert oder aufgehoben ist, wenn ein Gerinnsel sie blockiert. Typische Zeichen sind:

  • Eine Vene, die sich unter sanftem Druck nicht zusammendrücken lässt, das wichtigste Zeichen eines Gerinnsels
  • Verminderter oder fehlender Blutfluss im Doppler
  • Manchmal sichtbares Gerinnselmaterial in der Vene

Was verursacht ein Blutgerinnsel im Bein?

Gerinnsel entstehen meist, wenn eines oder mehrere von drei Dingen zusammenkommen: Das Blut fließt zu langsam, die Venenwand ist geschädigt, oder das Blut gerinnt leichter als es sollte. Häufige Auslöser und Risikofaktoren sind:

  • Längere Bewegungslosigkeit, etwa auf einem langen Flug, einer langen Autofahrt, bei Bettruhe oder nach einer Operation
  • Eine kürzliche Operation oder Verletzung, besonders an Hüfte, Knie oder Bein
  • Schwangerschaft und die Wochen nach der Geburt, in denen das Blut leichter gerinnt
  • Östrogenhaltige Antibabypille oder Hormonersatztherapie
  • Krebs und einige Krebstherapien
  • Deutliches Übergewicht, Rauchen oder höheres Lebensalter
  • Angeborene Neigungen zu vermehrter Blutgerinnung (Thrombophilien), etwa die Faktor-V-Leiden-Mutation
  • Flüssigkeitsmangel sowie ein früheres Gerinnsel

Oft treffen mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen, zum Beispiel ein langer Flug kurz nach einer Operation.

Welche Symptome hat eine TVT?

Eine TVT betrifft meist ein Bein, und die typischen Symptome entstehen dadurch, dass sich das Blut hinter dem Gerinnsel staut:

  • Schwellung in einem Bein, oft in der Wade, die nicht abklingt
  • Schmerz oder Druckempfindlichkeit, häufig in der Wade, die sich wie ein Krampf oder ein tiefes Ziehen anfühlen kann
  • Wärme über dem betroffenen Bereich
  • Haut, die gerötet, verfärbt oder leicht glänzend und gespannt wirkt

Nicht jede TVT verursacht deutliche Symptome, und manche werden erst entdeckt, wenn aus anderem Grund eine Untersuchung gemacht wird. Umgekehrt hat eine geschwollene oder schmerzende Wade viele harmlose Ursachen, etwa eine Muskelzerrung. Symptome allein können ein Gerinnsel daher weder bestätigen noch ausschließen, und genau deshalb wird die Bildgebung eingesetzt.

Ist eine TVT gefährlich, und wann ist sie ein Notfall?

Diesen Punkt sollte man klar benennen. Eine TVT wird vor allem deshalb ernst genommen, weil sich ein Teil des Gerinnsels lösen und mit dem Blutstrom in die Lunge wandern kann, wo es zu einer Lungenembolie wird. Eine große Lungenembolie ist ein echter medizinischer Notfall. Aus diesem Grund behandeln Ärztinnen und Ärzte eine bestätigte TVT zeitnah, statt abzuwarten.

Beruhigend ist: Mit rascher Behandlung sinkt das Risiko, dass ein Gerinnsel wandert, deutlich, und die meisten Menschen entwickeln nie eine schwere Komplikation.

Suchen Sie sofort ärztliche Notfallhilfe, wenn Sie eines der folgenden Anzeichen bemerken, die auf ein Gerinnsel in der Lunge hindeuten können:

  • Plötzliche Atemnot
  • Brustschmerz, der sich beim Einatmen verstärken kann
  • Husten, manchmal mit Blut
  • Rasender Herzschlag oder Schwindel bis zur Ohnmachtsneigung

Diese Symptome erfordern sofortiges Handeln, kein Abwarten.

Wie wird eine TVT diagnostiziert?

Bei Verdacht auf eine TVT kombinieren Ärztinnen und Ärzte meist mehrere Schritte. Zunächst wägen sie Ihre Risikofaktoren und Symptome ab, manchmal mithilfe eines einfachen Punktesystems. Ein Bluttest, der D-Dimer-Wert, kann helfen: Ein normaler Wert macht ein Gerinnsel unwahrscheinlich, ein erhöhter Wert bedeutet, dass zur Sicherheit eine Bildgebung nötig ist.

Die wichtigste Bildgebung ist der Kompressions- oder Doppler-Ultraschall des Beins, der schnell und schmerzfrei ist und ohne Strahlung auskommt. Bei Verdacht auf Gerinnsel weiter oben im Becken oder Bauch, wo der Ultraschall an seine Grenzen stößt, kommt manchmal eine CT- oder MR-Venografie zum Einsatz. Da Ultraschallbefunde teils von der untersuchenden Person abhängen, werden grenzwertige Ergebnisse manchmal nach einigen Tagen wiederholt oder erneut beurteilt.

Wie wird eine TVT behandelt?

Die Grundlage der Behandlung sind gerinnungshemmende Medikamente, oft Blutverdünner genannt. Sie lösen das bestehende Gerinnsel nicht direkt auf, sondern verhindern, dass es größer wird, und beugen neuen Gerinnseln vor, während der Körper das vorhandene Gerinnsel nach und nach selbst abbaut. Häufig eingesetzt werden direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) wie Rivaroxaban oder Apixaban, in manchen Situationen auch Heparin oder Warfarin.

Die meisten Menschen nehmen Blutverdünner mindestens drei Monate lang; die genaue Dauer hängt davon ab, warum das Gerinnsel entstanden ist und wie hoch Ihr persönliches Risiko für ein weiteres ist. Manche tragen zusätzlich Kompressionsstrümpfe, um Schwellungen zu verringern und das Risiko langfristiger Beinbeschwerden zu senken.

Moderne Empfehlungen raten meist dazu, sich nach Behandlungsbeginn zu bewegen statt Bettruhe zu halten, da sanfte Aktivität einen gesunden Blutfluss unterstützt. In schwereren Fällen setzen Ärztinnen und Ärzte gelegentlich eine gerinnselauflösende Behandlung (Thrombolyse) oder einen Eingriff zur Entfernung des Gerinnsels ein; für Menschen, die keine Blutverdünner nehmen können, lässt sich ein kleiner Filter in die große Bauchvene einsetzen, um Gerinnsel abzufangen, bevor sie die Lunge erreichen. Das ist jedoch die Ausnahme, nicht die Regel.

Wie können Sie Ihr TVT-Risiko senken?

Mehrere alltägliche Maßnahmen senken das Risiko tatsächlich, vor allem wenn Sie bereits Risikofaktoren haben:

  • Bewegen Sie auf langen Flügen oder Autofahrten regelmäßig die Beine, gehen Sie umher, wenn möglich, und trinken Sie ausreichend
  • Stehen Sie nach einer Operation oder Krankheit auf und bewegen Sie sich, sobald es sicher ist, nach Rücksprache mit Ihrem Behandlungsteam
  • Fragen Sie bei erhöhtem Risiko nach Kompressionsstrümpfen oder vorbeugenden Blutverdünnern rund um Operationen oder lange Reisen
  • Halten Sie ein gesundes Gewicht, bleiben Sie aktiv und hören Sie mit dem Rauchen auf, all das unterstützt einen gesunden Kreislauf
  • Erwähnen Sie eine persönliche oder familiäre Vorgeschichte von Gerinnseln, bevor Sie eine Hormontherapie oder eine größere Operation beginnen

Warum eine zweite Befundung helfen kann

Eine TVT wird meist per Ultraschall diagnostiziert, und der Ultraschall hängt stärker als die meisten anderen Untersuchungen von der durchführenden Person ab; das Ergebnis kann also davon abhängen, wie und wann die Untersuchung gemacht wurde. Ein frisches (akutes) Gerinnsel von einem alten, verheilten zu unterscheiden oder ein grenzwertiges Ergebnis in einer Wadenvene einzuordnen, ist genau die Art von Beurteilung, bei der eine sorgfältige zweite Befundung mehr Sicherheit gibt. Eine fachärztliche Zweitmeinung, wie sie DocOrbit zu Ihren Bildern und Ihrem Befund anbietet, kann den Befund und seine Ausdehnung bestätigen, damit Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sich beim weiteren Vorgehen sicher sind. Wenn Sie abwägen, ob sich das lohnt, zeigt unser Beitrag dazu, wann eine zweite radiologische Meinung sinnvoll ist, die Situationen, in denen sie am meisten zählt.

Ist eine TVT ein medizinischer Notfall?

Eine TVT wird meist dringlich behandelt, ist für sich genommen aber nicht immer ein Notfall. Zum Notfall wird sie, wenn ein Teil des Gerinnsels in die Lunge wandert und eine Lungenembolie verursacht. Suchen Sie bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerz oder blutigem Husten sofort ärztliche Hilfe.

Kann eine TVT von allein verschwinden?

Der Körper kann ein Gerinnsel mit der Zeit langsam abbauen, doch ein Gerinnsel in einer tiefen Vene sollte wegen des Risikos, dass es in die Lunge wandert, nicht unbehandelt bleiben. Blutverdünner verhindern, dass das Gerinnsel wächst, und beugen neuen Gerinnseln vor, während die Heilung abläuft.

Wie lange dauert es, bis sich ein Gerinnsel im Bein auflöst?

Blutverdünner senken meist innerhalb weniger Tage das Risiko, dass sich das Gerinnsel ausbreitet, doch der Abbau des Gerinnsels selbst kann Wochen bis Monate dauern. Die meisten Menschen nehmen Gerinnungshemmer mindestens drei Monate, manche je nach Ursache länger.

Darf ich mich mit einer TVT bewegen?

In den meisten Fällen wird sanftes Gehen empfohlen, sobald die Behandlung begonnen hat, da Bewegung einen gesunden Blutfluss unterstützt. Lange Bettruhe ist nicht mehr die übliche Empfehlung. Folgen Sie stets den konkreten Anweisungen der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes.

Was passiert, wenn eine TVT unbehandelt bleibt?

Eine unbehandelte TVT birgt ein höheres Risiko, dass das Gerinnsel wächst oder sich löst und als Lungenembolie in die Lunge wandert, was gefährlich sein kann. Unbehandelte Gerinnsel können außerdem zu langfristiger Beinschwellung und Beschwerden führen, dem sogenannten postthrombotischen Syndrom. Deshalb ist eine zeitnahe Behandlung wichtig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine TVT ist ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene, meist in Wade oder Oberschenkel, das in der Regel per Bein-Ultraschall bestätigt wird
  • Sie ist häufig und gut behandelbar, sollte aber nie ignoriert werden, da ein Gerinnsel in die Lunge wandern kann
  • Warnzeichen für ein Gerinnsel in der Lunge, etwa plötzliche Atemnot oder Brustschmerz, erfordern Notfallhilfe
  • Blutverdünner sind die Hauptbehandlung, meist über mindestens drei Monate, und sanfte Bewegung wird empfohlen
  • Auf langen Reisen und nach Operationen in Bewegung zu bleiben und ausreichend zu trinken, ist eine der besten Möglichkeiten, das Risiko zu senken

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine medizinische Beratung. Besprechen Sie Ihre Bildgebungsergebnisse und alle weiteren Schritte stets mit einer qualifizierten Ärztin oder einem qualifizierten Arzt.